Kreatives Tagebuch

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Spinnen

Was für eine Freude!!!

Da gucke ich heute so in den Briefkasten und was finde ich da? Ein Überraschungspäckchen mit faserigen Köstlichkeiten aus Irland! Bettina schickte mir Proben von Fasern, deren Namen ich noch nie gehört hatte. Und jetzt kann ich sie sogar ansehen und FÜHLEN und probespinnen und einkardieren und damit umherzaubern Liebe Bettina, hab ganz HERZLICHEN DANK! Diese Freude erhellt mir den düsteren Dezembertag.

Hier seht Ihr die Fasern im Überblick.



Und einzeln... Die Infos stammen von Bettinas ausführlichem "Beipackzettel"... Zuallererst die Silberfuchshaare:



Hier kommen zwei Kardenbänder. Links seht Ihr eine Milchproteinfaser, rechts Ingeo (aus Mais gewonnen)...



Hier Kammzug und Löckchen vom Teeswater...



Wild wachsende Baumwolle aus Trinidad...



"Black Diamond" Bambus, eine karbonisierte Bambusfaser...



Bananenseide, eine aus Bananenstauden gewonnene Faser...



Trilobaly Nylon - Glitzer zum Einkardieren...



Angelina - nochmals Glitzer zum Einkardieren... (Davon hatte ich gerade bei Karin erstmals gelesen und nachgefragt, was das denn sei, dann tauchte Angelina im ArtYarnSwap auf und jetzt bekomme ich sie zugeschickt )



Und zuguterletzt Throwster's Waste - Seide, die Bettina mit Gaywoolfarben färbte, das Graugrün allerdings mit frischen Faulbaumbeeren...



Ist das nicht ein Faserwahnsinn??? DANKE!!!
1.12.08 14:33


Dieser Strang...

...Neuseeland-Lammwolle wog vor dem Waschen 300 Gramm und hatte eine Lauflänge von 1800 m. Inzwischen ist er gewaschen und trocknet langsam vor sich hin.



1800 Meter Garn zu spinnen, gibt Zeit und Raum für viele Gedanken. Ich spann vorwiegend in der Stille und allein. Ab und an hörte ich Arvo Pärt.



Seine Musik schätze ich besonders in der dunklen, besinnlichen Jahreszeit, weil sie die Konzentration auf den Moment unterstützt und - obwohl über die Ohren aufgenommen - gleich in mein Blut gelangt. So gern ich in Farben schwelge, so nötig habe ich zwischendurch auch das Reduzierte, Minimalistische... Ein sich endlos anfühlender Faden weißer Lammwolle... Das Abtauchen in die Grenzenlosigkeit der inneren Bilder... Spinnen ist für mich ein ebenso natürlicher Prozess wie das Atmen.

Passend zu meinen versponnenen Gedanken: "Ein Freund ist ein Mensch, vor dem man laut denken kann." Ralph Waldo Emerson
29.11.08 13:11


Jetzt darf ich...

...Euch endlich erzählen, was der von der lieben Garnprinzessin ins Leben gerufene und betreute ArtYarnSwap für Kreise gezogen hat, nachdem Jinx mein ArtYarn-Päckchen nach ewiger Versandzeit nun doch noch bekommen hat. HIER sind die gesammelten Schönheiten der Swapteilnehmer zu betrachten.

Nach einigem Hin- und Herprobieren, Zweifeln, Verwerfen und Neuüberlegen entschied ich mich dafür, ein Garn in möglichst jinxtauglichen Farben zu spinnen und anschließend mit 28 vorwiegend silberfarbenen Charms auszustaffieren. Zu den Gegenständen habe ich mir natürlich so meine Gedanken gemacht... Sie sind eine Mischung aus den Vorlieben und Abneigungen von Jinx und mir Damit das Ganze jedoch auch zusammengehörig wirkt, schrieb ich eine Geschichte, in der all die Gegenstände auftauchten. Das machte so viel Freude, dass ich die Wörter an verschiedene liebe Menschen weitergab, die ebenfalls eine Geschichte schrieben. Und nun zieht die Geschichtenschreiberei ihre Kreise. Gerade eben bekam ich von der 66jährigen Uschi eine Geschichtenmail, die 9jährige Jule ist am Schreiben und es werden täglich mehr. UN-GLAUB-LICH! Und jede Geschichte ist so einzigartig wie die Menschen selbst. Wenn Ihr also Lust habt, auch eine Geschichte zu schreiben, freue ich mich, wenn Ihr sie mir über das Kontaktformular zu lesen gebt und ich sie der Sammlung hinzufügen darf. Hier sind die Wörter, die in beliebiger Reihenfolge in der Geschichte auftauchen müssen: Peace-Zeichen, Revolver, Eidechse (oder Salamander), Teddybär, Messer (oder Dolch), Zahn, Träne (oder Tropfen), Gartengeräte (Spaten und Grabeforke), Kreuz, Herz mit Schlüsselloch, Erdbeere, Buchstabe "J", Notenschlüssel, Tagebuch, Handschellen, Handy, Schildkröte, Fischgräte, Liebesbrief, VIP-Karte, röhrender Hirsch, Skarabäus, Totenkopf, Schmetterling, Brille, E-Gitarre, Pistole, Laptop

Und hier kommt meine Variante:

Die Versammlung der Unterschiedlichen

„Selten ist das, was ist, das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint“, murmelte die 200jährige Schildkröte vor sich hin, während sie ihre Brille putzte. Im Laufe der Jahrzehnte hatte ihre Sehkraft merklich nachgelassen. Zwar konnte sie entferntere Dinge noch in gewohnter Schärfe sehen; allerdings bereitete es ihr zunehmend Mühe, ein Salatblatt von einer Erdbeere zu unterscheiden, selbst wenn die Köstlichkeiten direkt vor ihrer früher so sensiblen Nase wuchsen. Seufzend setzte sie die nun blitzblank funkelnde Brille wieder auf. „Selten ist das, was ist, NUR das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint“, wiederholte die Schildkröte. „Das muss ich mir merken.“ Sie zog ihr Tagebuch unter dem Panzer hervor und notierte den Gedanken. Nachdem sie es wieder verstaut hatte, setzte sie ihren Weg aus den Dünen in den Wald gemächlich fort.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Waldes, dort, wo die Landschaft bereits hügeliger wird, genoss die Eidechse die letzten noch wärmenden Sonnenstrahlen. Nach einer Weile wechselte sie die Position, um sich ein weiteres Viertelstündchen Sonne zu gönnen. Die bevorstehende Zeit der Dunkelheit und Kälte war ihr schmerzlich bewusst und es war ungewöhnlich, dass zu dieser Jahreszeit eine Versammlung der Unterschiedlichen einberufen wurde. Normalerweise trafen sie sich im Frühjahr. Trotzdem machte auch sie sich nach einem letzten wehmütigen Blick über ihren Lieblingsplatz auf den Weg.

Am vereinbarten Treffpunkt war es noch still. Der moosige Boden der rechtsseitig von einer Kiefernschonung und linksseitig vom Laubwald besäumten Lichtung funkelte im Schein der Herbstsonne. Nichts deutete darauf hin, dass sich dieser Ort vom Rest des Waldes unterschied. Einzig der majestätische Basaltfelsen gab der Lichtung einen Hauch von Ewigkeit. Durch den plateauartigen Vorsprung wirkte er wie eine Bühne. Dahinter erstreckte sich der Stein hoch hinauf und wurde seiner merkwürdigen Form wegen auch „Zeigefinger Gottes“ genannt. Direkt dem Felsen gegenüber, am anderen Ende des Platzes, stand eine kaukasische Flügelnuss von seltsamem Wuchs. Der mächtige, aber kurze Stamm des Baumes teilte sich bereits einen Meter über dem Erdboden in zwei auseinander strebende Äste, die sich bald darauf wieder zueinander neigten, sich vereinigten und als ein Ast gen Himmel strebten. Das auf diese Weise entstandene Loch war das Tor zu einer anderen Welt.

Plötzlich wurde die Stille durch das Röhren eines Hirsches unterbrochen. Die wieder eintretende, nur kurz währende Stille danach war eine andere. Unter seinen Hufen brachen kleine Äste mit einem Knacken entzwei. Dann stand er auf der Lichtung – den Körper angespannt. Unmut und Groll bestimmten ihn. Was konnte es Wichtigeres geben als die Erhaltung der eigenen Art? Wer wagte die Einberufung eines Treffens zu dieser Zeit? Das Erwachen dieses Menschen musste schon sehr dringend sein und keinen Aufschub dulden…

Inzwischen war der Ruf auch in die große laute Stadt gelangt. Teddybär hatte ihn vernommen, kletterte leise aus dem Bett seines derzeitigen Besitzers und machte sich auf den Weg in den Wald, während irgendwo ein Handy klingelte und fast gleichzeitig ein Autoreifen knallte. Im ersten Moment dachte Teddy an einen Pistolenschuss, vergaß das Geräusch jedoch gleich wieder und kehrte zu seinen Gedanken zurück. Warum nur wurde er im Herbst zu einem Treffen gerufen?

Aus einem von bunten Punks besetzten Haus kreischte eine E-Gitarre, die mit Sicherheit noch keinen Notenschlüssel gesehen hatte, ein Baby greinte, eine Frauenstimme sprach beschwichtigende Worte, eine Tür schlug zu, Glas ging zu Bruch. Neben dem üblichen Verkehrslärm war in der Ferne das Tatütata der Feuerwehr zu hören. Völlig unbeeindruckt von dem sie umgebenden Krach bearbeitete Frau Sowieso mit Spaten und Grabeforke das winzige Beet auf dem Hinterhof, um es winterfest zu machen und Frühblüher in die Erde zu bringen. Ihre ausgewogenen Bewegungen verrieten, dass ihr diese Arbeit vertraut war. Plötzlich stieß der Spaten mit einem metallenen Geräusch auf einen Widerstand. Frau Sowieso hielt inne, bückte sich ächzend und wollte den vermeintlichen Stein entfernen. Das Ding war größer als angenommen und mit Sicherheit kein Stein. Sie griff nach dem Pflanzmesser, um es von Erde zu befreien. Nach einer kleinen Weile konnte sie den Gegenstand ertasten. Sie buddelte weiter und hob eine Metallschatulle in der Form eines Herzens aus der Erde. Sie war angerostet, aber unversehrt und verschlossen, das Schlüsselloch an der Seite mit Erde zugesetzt. Den Deckel zierte ein eingraviertes, verschlungenes und ebenfalls verrostetes „J“. Die Neugierde siegte. Frau Sowieso ließ Beet Beet und Vorhaben Vorhaben sein, begab sich stattdessen in ihre Wohnung, um nach einem passenden Schlüssel zu suchen. Jetzt kam es ihr zu gute, dass sie sich selten von Dingen trennen konnte, obwohl sie für sie eher einen ideellen, denn einen materiellen Wert besaßen. Ausgenommen der Revolver, der ihrem Urgroßvater gehört und den sie hinter Glas in ihrer Vitrine liegen hatte. Für den würde sie inzwischen schon ein gutes Sümmchen bekommen. Frau Sowieso öffnete eine Schublade, in der sich Schlüssel unterschiedlicher Form und Größe fanden. Ihr Faible für Schlüssel aller Art hatte sie durch ihr inzwischen 75jähriges Leben begleitet und innerhalb ihrer Familie anfangs für Amüsement gesorgt, um später zu ihren liebenswerten Macken gezählt zu werden. Selbst ihre jüngste Tochter Johanna brachte bei ihren Besuchen dann und wann einen Schlüssel mit und freute sich an der Freude ihrer Mutter. Dann hellte sich ihr oft so streng wirkendes Gesicht auf und ihre Züge wurden weicher. Johanna – Frau Sowieso schickte ihr einen zärtlichen Gedanken… Wenn sie doch nur verstehen würde, dass nur sie selbst sich den passenden Schlüssel zum Geschenk machen kann! Schon längst hatte Frau Sowieso jedoch gelernt, Johanna den Weg durch die Irrungen und Wirrungen ihres Lebens gehen zu lassen, auch wenn es sie manchmal schmerzte, zu sehen, wie sie sich an den Werten ihrer Welt aufrieb. Überdies machte es sie traurig, dass ihre Tochter der Unzufriedenheit einen so großen Raum gab und häufig wirkte, als hätte sie der eigenen Lebendigkeit Handschellen angelegt. Da entdeckte Frau Sowieso ein kleines unscheinbares Schlüsselchen, das ihr für die Herzschatulle wie geschaffen erschien. Und richtig, eine Umdrehung im Uhrzeigersinn und die Kiste öffnete sich beinahe mühelos. Vor Staunen blieb Frau Sowieso der Mund offen stehen. Innen war die Kiste mit einem Stoff ausgeschlagen, der sich samtig anfühlte und wie Perlmutt in vielen Farben schillerte. Darauf lag ein Brief. Der rosafarbene Umschlag ließ sie im ersten Augenblick an einen Liebesbrief denken, trieb ihr die Röte in die runzeligen Wangen und ließ sie über sich selbst schmunzeln. Obwohl die Schatulle lange Zeit in der Erde gelegen haben musste, verströmte der Brief einen zart blumigen Duft. Sie drehte ihn um und entdeckte auf der Rückseite einen Skarabäus in der Wachsversiegelung. Zweifel kamen auf. Sollte sie das Siegel brechen? War der Brief überhaupt für sie bestimmt? Eine andere innere Stimme hielt dagegen: Wäre der Brief zu dieser Zeit an diesem Ort gewesen, wenn er nicht für dich gedacht wäre? Dieser Stimme folgte sie gern, brach das Siegel und entfaltete den Brief. „Lebe, liebe, lache, weine, atme – SEI!“, stand in zierlichen, aber deutlichen Buchstaben am oberen Rand. „Aber ja doch“, dachte Frau Sowieso verwundert, „tue ich seit 75 Jahren.“ Dann verbesserte sie sich selbst und rechnete die 30 Jahre ab, die sie auf der Suche gewesen war. Wonach? Das konnte sie heute kaum mehr sagen. Zumindest stimmte sie diese Erkenntnis versöhnlich, wenn sie sich gedanklich wieder ihrer jüngsten Tochter zuwandte. Ja, sie kannte die Zeit des Leidens aus eigener Erfahrung. Als sie inmitten einer gezeichneten Landkarte in Großbuchstaben den Namen ihrer Tochter und daneben das heutige Datum las, fing ihr Herz an zu rasen. Um sich ein wenig zu beruhigen, wandte sie sich ihren Alltäglichkeiten zu und rief den altersschwachen Kater Tadeus, um ihn zu füttern. Maunzend rieb er sich kurz an ihrer hingestreckten Hand, um dann in den Schleifen der Unendlichkeitsacht um ihre Beine zu streifen, bis sie den Hering von der Fischgräte befreit hatte und die Leckerei in seinem Schälchen lag. Als sie sich dem Brief erneut zuwandte, stand dort noch immer der Name ihrer Tochter. Kurzzeitig hatte sie sich der Täuschung bezichtigt; wusste sie doch, wie mächtig ihre Phantasien und inneren Bilder sein konnten. Also besah sie sich die Karte genauer. Sie war vermutlich von Hand mit Feder und Tusche gezeichnet und mit zarten Aquarellfarben koloriert. Wenn sie sich nicht irrte, sah sie hier einen Ausschnitt des in der Nähe gelegenen Waldes. Als sie „Zeigefinger Gottes“ las, war sie sicher. Auf dieser Lichtung hatte sie bei ihren zahlreichen Pilzwanderungen Rast gemacht, war immer wieder von ehrfürchtiger Dankbarkeit ergriffen gewesen und hatte ein ums andere Mal die Zeit vergessen. Jetzt schlüpfte sie kurz entschlossen in ihren Wettermantel, verstaute die Gartengeräte im Keller und machte sich auf Weg, den Brief mit der Karte in der Manteltasche.

Kurz vor dem Aufbruch zum Konzert, für das sie über die Redaktion VIP-Karten bekommen hatte, warf Johanna einen letzten Blick in den Spiegel und erschrak. Nicht ihr durchaus hübsch zu nennendes, wenn auch in den letzten Jahren schärfer gezeichnetes Gesicht sah ihr entgegen, stattdessen starrte sie in die leeren Augenhöhlen eines Totenkopfes. Sie kniff die Augen zusammen, schüttelte ihre kurzen Locken und sah erneut in den Spiegel. Obwohl sie das ihr vertraute Gesicht dort wieder fand, grinste der Totenkopf weiterhin hämisch durch ihre Züge. In diesem Moment geschah etwas Seltsames. Wie in einem vorbeiziehenden Film sah sie sich in unterschiedlichen Situationen ihres Lebens: spätabends am Schreibtisch der Redaktion vor ihrem Laptop, im Fitnesscenter bei der Anstrengung, ihren Körper schlank und jung zu erhalten, in den Armen ihres verheirateten Liebhabers, bei einer Lobesrede ihres Chefs anlässlich ihrer Beförderung, in einer überfüllten Einkaufsmeile. Noch erstaunlicher war jedoch, dass sie die dazugehörigen Gefühle als ein gleiches, immer währendes Zerren, Sehnen und Suchen erlebte, das – egal was sie tat – unbefriedigt blieb und eine schale Leere hinterließ. Eine Träne löste sich aus ihrem Augenwinkel und fiel in Zeitlupe zu Boden. Gleichzeitig hörte sie ein glockenhelles Lachen und sah sich selbst als kleines Mädchen mit ausgebreiteten Armen und hüpfenden Locken über eine Wiese einem bunten Schmetterling nachlaufen. In der nächsten Sequenz hatten ihre Freundin und sie sich über Kreuz an den Händen gefasst und drehten sich lachend um einen imaginären Mittelpunkt, wurden schneller und schneller, bis ihnen vor Glück schwindelig war und sie sich rücklings ins Gras fallen ließen. Jetzt weinte sie hemmungslos… Wann hatte sie sich das letzte Mal so lebendig und eins mit sich selbst gefühlt? Wo war das wilde Mädchen geblieben? Johanna weinte und weinte, rollte sich auf dem Badvorleger zusammen und schluchzte sich in einen bilderreichen Schlaf.

Inzwischen war die Lichtung von pulsierendem Leben erfüllt. Die Unterschiedlichen hatten ihre gewohnten Plätze in der Formation ähnlich eines Peace-Zeichens eingenommen und warteten geduldig auf die bevorstehende Zeremonie. Frau Sowieso war außer Atem. Als sie die Lichtung erreicht hatte, steuerte sie wie von Zauberhand geleitet auf die Kaukasische Flügelnuss zu und zwängte sich durch das Loch im Baum, was sie bei ihrer Leibesfülle einige Mühe kostete. Das Staunen, das sie anfangs beinahe überwältigt hatte, war inzwischen einem Gefühl tiefen Einverstandenseins gewichen. Sie überließ sich ihrer inneren Führung, ging auf das Zentrum der Lichtung zu und wunderte sich nicht einmal mehr, als sie ihre auf dem moosigen Boden schlafende erwachsene Tochter entdeckte und gleichzeitig Johanna als Säugling in den Armen hielt. Die kleine Johanna lächelte, wobei ihr erster Zahn hervorblitzte. In den Augen der Kleinen fand Frau Sowieso den Widerhall einer allumfassenden Weisheit, die außerhalb von Zeit und Raum lag. Dann hielt die Welt den Atem an und die Stille war stiller als still. Johanna schlug die Augen auf und erhob sich. Ihr Blick traf den ihrer Mutter. Langsam gingen sie aufeinander zu. Johanna öffnete die Arme. Ihre Mutter legte ihr den Säugling hinein. Im selben Moment fühlte sich Johanna von einer verloren geglaubten Lebendigkeit durchströmt und sich mit den Generationen des eigenen Blutes verbunden. Indem nacheinander die Unterschiedlichen zu Johanna traten und ein Geschenk überreichten, nahm die Zeremonie ihren Lauf. Die Schildkröte schenkte Langsamkeit, die Eidechse die Fähigkeit, Verletzungen durch Hinwendung zu heilen, der Schmetterling Entwicklungsdrang und das Vermögen, sich trotz jeder Veränderung selbst treu zu bleiben, der Hirsch Akzeptanz seiner selbst als Voraussetzung dafür, die eigene Art zu erhalten, der Skarabäus gab Schöpfungskraft und der Teddybär Liebe, Mitgefühl und Trost. Dann stimmten die Unterschiedlichen einen Chor an, in den Johanna und Frau Sowieso einstimmten: „Lebe, liebe, lache, weine, atme – SEI!“

Die Türklingel riss Johanna aus ihrem unbequemen Schlaf. Sie war noch völlig benommen, als sie ihrer Mutter öffnete. Während sie einander umarmten, flüsterten sie sich gegenseitig ins Ohr: „Lebe, liebe, lache, weine, atme – SEI!“
25.11.08 21:41


Mein Artyarn-Päckchen! DANKESCHÖN!!!

Liebe Christiane,

bin ich froh, dass heute endlich der ersehnte Auspacksonntag ist! Also - kaum aus dem Bett gestiegen - habe ich als allererstes Dein Päckchen geöffnet. So stand es jetzt schon einige Tage hier herum und ich musste meine Neugierde seeeehr zügeln.



Dann ein erster Blick auf grünes Geglitzer und eine Sonnenblume (meine Lieblingsblume, weil sie so klug ist, sich der Sonne zuzuwenden, wie ich es auch mag)...



Ein GANZ HERZLICHES DANKESCHÖN!!! Es ist besser als Weihnachten und Geburtstag, denn Fasergeschenke bekomme ich von meinen Liebsten in der Regel nicht und das sind doch die Dinge, mit denen man mir die größte Freude bereiten kann. Woher wusstest Du, dass Alpaka zu meinen Lieblingsfasern zählt? Und VIER und dann noch verschiedene Stränge! Und alle passend zueinander, so dass ich sie auch gemeinsam verarbeiten kann! Und soooo viele Beigaben... Mammamia...







Auch Deiner Tochter unbekannterweise ein liebes Dankeschön von mir für den entzückenden kleinen Perlenstern.



Und von der Flocke bis zum Garn - alle Arbeitsschritte von Dir selbst gemacht - inklusive Färben - das finde ich ganz besonders schön! Das Babyalpaka ist ein TRAUM!!!



Aber auch über die Lavendelsäckchen und den Weihrauch freue ich mich sehr! Solche natürlichen Düfte mag ich und mein Arbeitszimmer mit der vielen Wolle freut sich auch darüber Dankeschön auch für das Buch! Ich kenne es noch nicht, obwohl ich eine Vielundschnellleserin bin )

Nun etwas ausführlicher zu den Strängen:



Der schwarze ist laut Christiane Alpaka vom Röderthaler Hof bei Dresden, mit kleinen Texel-Akzenten versponnen.

Die beiden rötlich-braunen bestehen aus einem Faden Texel-Alpaka-Mischung und einem Faden reinen Alpaka, verzwirnt mit einem weinroten Glanzfaden.

Der orange-braune Strang - von Christiane gefärbte, kardierte und gesponnene Texelwolle, mit einem Faden aus Baumwolle/Seide. Leider gibt das Blitzfoto die wunderbar changierende Farbmischung nicht annähernd wieder.

Hab ich ein Glück, dass Du Dich nicht entscheiden konntest  So hab ich jetzt jede Menge zueinander passendem Garn aus dem mit Sicherheit etwas Schönes wird. Mal gucken, was mir da einfällt. Ich freue mich schon auf’s Verarbeiten!
23.11.08 10:21


Hier noch einige...

...Spinnergebnisse. Mit dieser Zwirntechnik hatte ich ja bereits beim Alpaka-Garn experimentiert. Da sie mir sehr gut gefiel, wiederholte ich die Technik in anderer Farb- und Faserkombination, spann ich einen dünnen bunten Faden, kardierte einen Hauch der bunten Fasern in Lammwolle, spann dick aus und verzwirnte beides miteinander.







Außerdem gab es einen weiteren pflanzengefärbten Farbverlaufsstrang. Hier noch auf der Spule:



Und als fertiger Strang:





Und noch eine schöne Begebenheit von gestern: Fabian war zusammen mit seiner Oma hier, die sich pflanzengefärbte Sockenwolle aussuchte. Während Oma Inge und ich im Arbeitszimmer ein wenig fachsimpelten, spann Fabian weiter an seinem Garn. Inzwischen saß er zum dritten Mal in folge am Spinnrad. Plötzlich kam ein Ruf aus dem Wohnzimmer: "Jana, ich hab jetzt den perfekten Faden!" Und später: "Endlich weiß ich, was ich mir zu Weihnachten wünsche... Ein Spinnrad und Lammwolle von Tanjas Schafen." Ich versuchte, ihn davon zu überzeugen, dass er sich ja auch erstmal ein Spinnrad als Leihgabe wünschen könne. Seine Antwort: "Nein, ich möchte ein eigenes. Spinnen macht mich glücklich, auch wenn das nicht so aussieht." Vermutlich meint er damit, dass er sehr konzentriert wirkt und man sein GLÜCK nicht auf den ersten Blick sehen kann. Das wiederum macht mich glücklich.

Am Donnerstag hatte ich gleich zwei Kinder zu Besuch. Meine Nichte Jule hatte einen variablen Ferientag und Fabian kam um halb elf nach der Schule. Und wisst Ihr, was die beiden spielten? Arme Leute, die sich ihren Lebensunterhalb mit Spinnen, Stricken und Filzen verdienen müssen (Jule lernte nämlich Stricken und strickt sich nun einen Schal.)

22.11.08 10:18


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