Kreatives Tagebuch

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Spinnen

Ein Tag mit Fabian...

...gehört mit zum Schönsten, was ich mir vorstellen kann. Obwohl wir relativ wenig Zeit miteinander verbringen, haben wir seit dem Tag seiner Geburt eine merkwürdig intensive Verbindung zueinander, die über eine Neffe-Tante-Beziehung hinausgeht.

Fabian kam gleich nach der Schule. Zuerst kochten wir miteinander, wobei er nicht nur das Kartoffeln schälen übernahm, das jedoch ganz besonders gern tat.



Nach dem Mittagessen malten wir gemeinsam in sein Monsterbuch - ein Malbuch, das ich ihm zum 6. Geburtstag schenkte. Fabian malt jetzt seit vier Jahren in dieses Buch und erfindet immer neue Monsterwelten. Wir entschieden uns für einen "Ganz normalen Alltag in der Buchstaben- und Zahlenmonsterwelt" - O-Ton Fabian... Dieses Bild fiel recht blutrünstig aus und ist noch nicht fertig. Aber einige andere Bilder durfte ich fotografieren, um sie Euch zu zeigen.

Die zehn Köpfe:



Das Weihnachtsmonster mit individualisierten Fliegen:



Gefangene Monster:



Die Musikwelt:



Und ganz besonders gruselig - die Monsterfolterkammer:



Eindrucksvoll auch seine Klassifizierung von Monstern:




Danach erledigte Fabian seine Hausaufgaben, wobei er bäuchlings mit tintenverschmierten Fingern auf dem Boden lag, während ich daneben am Spinnrad saß.



Und plötzlich packte ihn die Lust, das Spinnen doch auch mal zu probieren. Erst recht, als ich ihm sagte, dass es gar nicht schwer ist. Um das langsame und gleichmäßige Treten zu üben, gab ich ihm ein eindrucksvolles Bilderbuch über Holz zum Anschauen. Nachdem er sich durch die 190 Seiten gestaunt hatte, war der Fuß vergessen und das Treten hatte sich automatisiert.



Danach dauerte es keine fünf Minuten und Fabian spann sein erstes Garn.



Nachdem er die Fasern in seiner Hand verbraucht hatte, nahm er sich die Lammwolle mit dem Ausruf "Oh, schön, so viel hab ich noch!" und kuschelte eine Runde.



So waren wir beim virtuellen Spinntreffen, von
Wiebke ins Leben gerufen, sogar zu zweit dabei
14.11.08 14:23


Urlaub im November

Auch wenn es allgemein heisst, dass der November grau, nieselig, nebelig und trüb ist, des fehlendes Lichtes wegen die Stimmung in tiefste Tiefen drückt, muss ich dem widersprechen. Hier...



...verbrachten Stini und ich die vergangene Woche und ich muss - wieder zu Hause angekommen - gestehen, dass mir der Bollerofen, das morgendliche Holzholen, die heimelige Wärme, das Fallen der goldenen Ahornblätter und das Abgeschirmtsein von der Welt und den Menschen jetzt bereits fehlen. An diesem Ort veränderten sich Rhythmus und Lebensgefühl. Der einzige Nachteil - die Zeit lief langbeinig davon...

Obwohl ich sehr wenig fotografiert habe, weil vor lauter Leben keine Zeit blieb, hier einige Fotos dessen, was im Häuschen entstand.

Stini spann aus einem pflanzengefärbten Vlies, das ich ihr als Dankeschön für das Ausborgen ihrer Spinnräder schenkte, dieses Garn...



...und strickte sich ein Paar königlicher Armstulpen daraus:



Ich hatte die Kardiermaschine dabei, zauberte mir verschiedene Mischungen - hier eine davon...



... die ich genüsslich verspann:



Dieses Perlengarn ist ein Single, bei dem ich den mit Perlen versehenen Faden gleich habe mitlaufen lassen:



Aus zwei Farbverläufen dieser pflanzengefärbten Vliese...



...entstand dieser erste Strang:



Weitere werden folgen und sollen sich im Laufe der Zeit in eine Jacke verwandeln.

Und hier könnt Ihr das Große Hand- und Wanderrad, das Meisterstück Herrn Henkys sehen, das er uns großzügigerweise ausborgte...



Das Spinnen daran ähnelt einem Tanz, macht unglaublich viel Spaß und fast ein bischen süchtig. Das Rad wird mit der rechten Hand angetrieben, während die linke Hand die Fasern hält, in großem Schwung nach hinten auszieht und den entstandenen Faden dann mit Schwung nach vorn auf die Spindel laufen lässt. Hier kann man den Metalldorn, über den gesponnen wird, gut sehen:



Neben dem Spinnen haben wir noch vielerlei anderer Dinge sehr genossen, aber dazu später mehr.
12.11.08 07:40


Ein kleiner Ausblick...

...auf meinen Beitrag zum Artyarn-Swap. Und - nein, das ist nicht das vollständige Garn, also habe ich damit noch nicht zu viel verraten, denn es ist, wie oben gesagt, ein Ausschnitt mit Ausblick, eine Andeutung, ein Teil...



Eine geheimnisvolle Versammlung der Unterschiedlichen gehört nämlich auch noch dazu. Wollt Ihr wissen, wie die Geschichte beginnt?

„Selten ist das, was ist, das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint“, murmelte die 200jährige Schildkröte vor sich hin, während sie ihre Brille putzte. Im Laufe der Jahrzehnte hatte ihre Sehkraft merklich nachgelassen. Zwar konnte sie entferntere Dinge noch in gewohnter Schärfe sehen; allerdings bereitete es ihr zunehmend Mühe, ein Salatblatt von einer Erdbeere zu unterscheiden, selbst wenn die Köstlichkeiten direkt vor ihrer früher so sensiblen Nase wuchsen. Seufzend setzte sie die nun blitzblank funkelnde Brille wieder auf. „Selten ist das, was ist, NUR das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint“, wiederholte die Schildkröte. „Das muss ich mir merken.“ Sie zog ihr Tagebuch unter dem Panzer hervor und notierte den Gedanken. Nachdem sie es wieder verstaut hatte, setzte sie ihren Weg aus den Dünen in den Wald gemächlich fort...

Fortsetzung folgt, wenn die Empfängerin das gestern der Post übergebene Päckchen ausgepackt hat...
12.11.08 06:50


Experimente

Garnprinzessin verhalf einer schönen Aktion zum Leben: dem ArtYarn-Swap. Knapp 20 Spinnerte bespinnen sich gegenseitig, eine davon bin ich Das hat zur Folge, dass ich natürlich mit den verschiedensten Spinn-, Zwirn- und Faser- bzw. Farbmischtechniken umherexperimentiere und mir die Frage stelle: Ab wann ist ein gesponnenes Garn als Artyarn zu bezeichnen? Welche Kriterien sollte es erfüllen? Was meint Ihr?

Das hier ist ein Detail des "Teufelsbratens":


So sieht der Zipfelkragen am Hals aus:



Für dieses Garn habe ich kastanienbraunes Alpaka kardiert und relativ dick gesponnen, anschließend in Zurück-Vor-Zurück-Technik mit einem Faden flammiger Baumwolle verzwirnt.





Reizvoll finde ich, mir Accessoires auszudenken, die mit der geringen Menge an Garn auskommen, wie z. B. dieser knöpfbare Kragen:



Zutaten für dieses Garn sind handgefärbte Lammwolle, Australmerino in Regenbogenfarben, dick gesponnen, aus den Regenbogenstücken wurden Coils, verzwirnt mit türkisfarbener Viskose.



Diesen 150-Gramm-Strang habe ich zu einem "Brustwärmer" (O-Ton Rainer) weiterverarbeitet:



Das Dingens kann jedoch auch als halsferner Rollkragen getragen werden.



Und es macht SPAß!

Hier sind übrigens Experimente zu bestaunen.
22.10.08 09:27


Edle Fasern

Jetzt kann ich mit dem Nachreichen einiger Bilder beginnen. Die Ausgangsmaterialien waren mit grünen Walnussschalen kaltgefärbtes Kaschmir und ungebleichte Tussahseide.



So sahen die Fasern nach dem ersten Kardierdurchgang aus:



Und so nach dem dritten:



Dick versponnen habe ich die Fasern nach viermaligem Kardieren, als sich die Mischung homogen genug anfühlte und auch so aussah. Anschließend verzwirnte ich mit einem goldenen Lurexfaden. Der kleine Strang ist auch was ganz Feines, nämlich eine Überraschungsfasermischung, die mir Gudrun zukommen ließ. Hier auch nochmal DANKESCHÖN, liebe Gudrun! Es handelt sich um eine Mischung aus Perserkatze und Alpaka.





Und um meinen freien Tag gebührend abzuschließen, werde ich nun 70 Maschen anschlagen und mir einen nächsten Zipfelschalkragen stricken. Euch einen gemütlichen Freitag-Abend und ein schönes Wochenende!
10.10.08 18:57


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